Rough but gentle

15.11.2014 - 29.11.2014
Offspace Spenglerei, Kranzgasse 24, 1150 Wien

"Fotografien vermitteln nicht einfach - auf eine realistische Weise - Realität. Die Realität wird vielmehr danach befragt und bewertet, inwieweit sie, der Fotografie entspricht". Mit dieser Aussage weist die Schriftstellerin Susan Sontag auf eines der Hauptparadoxa der Fotografie hin. In den minimalistischen Arbeiten von Benjamin Eichhorn begegnet einem dieser Wiederspruch auf verschiedenen Ebenen, indem er Alltagsgegenstände und -räume konzeptuell und fotografisch umwandelt. In seiner Serie "Juliette's Garden" beginnt die Veränderung bereits mit dem sorgfältigen Nähen und Überziehen der Gegenstände - Werkzeuge - mit einem Stoff mit Blumenmuster. Die einzelnen Objekte werden der Reihe nach fotografiert und nach einem bestimmten Schema zusammengestellt, welches teilweise auch die Geometrie des Stoffmusters wiederholt. Eichhorns modernes Stillleben folgt im Gegensatz zu klassischen Darstellungen des Genres einer puristischen Ordnung, die einen eigenen Rythmus erzeugt. Durch die vergrößerte Darstellung der Motive ersetzt er ihre ursprüngliche Bestimmung. Das schwere und scharfe Werkzeug gewinnt durch seine ungewöhnliche Größe und den lieblichen Stoff an Leichtigkeit und erhält einen harmlosen Charakter.

Allein dieser systematische künstlerische Prozess und der Rythmus der Bildsprache weisen auf die seriell angefertigte Ware hin, mit der sich Benjamin Eichhorn auseinandersetzt. So werden in der Arbeit "In Deckung II" nicht nur Objekte, sondern der gesamte Raum mit dieser Art von Massenware bedeckt. Auch wenn hier die weiße Hintergrundfläche des Bildes durch die Tapete komplett ersetzt wird, sind doch einige Elemente frei von dem überwältigenden Ornament. Dabei bleiben diese durch die bewusste Unschärfe raffiniert unfassbar. Die Anhaltspunkte im Bild verschwinden und mehrere Horizontlinien werden verteilt, so dass eine Konfrontation mit der Zweidimensionalität der Fotografie entsteht.

Der Raum in Benjamin Eichhorns Arbeiten ist nur angedeutet - durch das (flache) Medium der Fotografie, aber auch durch die ebene Darstellung der Objekte und Räume. Die komplexen Zusammenhänge in seinen Werken repräsentieren das Bedürfnis aus dem Alltäglichen ein Unikat zu machen, einen Fetisch mit eigener Symbolik, der eine Distanzierung von der Realität ermöglicht. Durch die Umhüllung wird einiges sichtbar - wieder ein Paradox -, was Benjamin Eichhorn mit subtiler Einfachheit darstellt.

Text: Elisa Garzón Vecino

 

 

Seeding Art
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Fotos: Rudolf Strobl

www.offspace-spenglerei.at

 

 

Fine Art Collection

Einzelausstellung
16.01.2014 - 31.03.2014
Sotheby´s, Wien

Das eigene Heim und dessen Ausgestaltung sind oft verbunden mit einer Sehnsucht nach Stabilität, Vertrautheit, aber auch Ausdruck von gewollter Repräsentation und dem Versuch einer gesellschaftlichen Positionierung. Rituelle Handlungen, Gegenstände, wie das gute Geschirr zum Sonntagsessen, das geblümte Kaffeeservice aus Porzellan oder die Kopie von Fine Art Sammlerstücken sind Sinnbilder einer gesellschaftlichen Aussage und dem Wunsch nach sozialer Zugehörigkeit.
Der 1982 in Waidhofen/Thaya geborene Benjamin Eichhorn untersucht in seinen Arbeiten diese stereotypen Rituale und Objekte aus dem alltäglichen häuslichen Leben.

Durch die technischen und konzeptuellen Mittel der Fotografie und die für den Künstler charakteristische minimalistische Bildsprache stellt er nicht nur die Gegenstände und Handlungen des privaten Alltags in den Mittelpunkt, sondern legt auch ihren Anachronismus offen(...)

Dr. Silvie Aigner

 

 

Seeding Art

 

 

In Deckung

Einzelausstellung
18.01.2012 - 25.01.2012
Universität für angewandte Kunst Wien

 

 

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Fotos: Jorit Aust